Bisher kannte ich Warschau nur von einem Tagestrip und auch der war schon über 10 Jahre her. Es war Zeit, sich Polens Hauptstadt genauer anzuschauen. Im Mai diesen Jahres war es endlich soweit: Ich konnte Warschau (polnisch: Warszawa) eine ganze Woche lang erkunden und musste feststellen: Wow, was für eine Stadt.
Ich war richtig positiv überrascht von den vielen tollen Sehenswürdigkeiten in Warschau. Zudem mega modern und sauber, mit beeindruckenden Hochhäusern, wunderschönen Parkanlagen und sehr vielfältigen Stadtvierteln.
Wenn Du noch nicht hier warst, hast Du echt was verpasst. Doch lass Dich mit diesem Blogartikel „Eine Woche Warschau: Die besten Orte und Tipps“ selbst überzeugen.
Warschaus Wahrzeichen: Der Kulturpalast.
Meine ersten Schritte führten mich zu der Sehenswürdigkeit, die keine/r in Warschau verpassen sollte: dem Kulturpalast. Es ist wohl eines der bekanntesten Gebäude, das man sofort mit Warschau verbindet. Mit seinen 237 Metern Höhe prägt er die Skyline der Stadt und ist schon von Weitem zu sehen. Mittlerweile ist er zwar nicht mehr das höchste Gebäude Warschaus, aber definitiv eines der Bekanntesten.




Seine Geschichte ist allerdings umstritten. Der Bau begann Anfang der 1950er-Jahre und war ein Geschenk von Josef Stalin an Polen. Errichtet wurde das Gebäude von polnischen Arbeitern, die den Palast innerhalb von nur 3 Jahren fertigstellten. Stalin selbst erlebte die Eröffnung allerdings nicht.

Heute beherbergt der Kulturpalast über 3.000 Räume und zahlreiche Einrichtungen: Theater, ein Kino, ein Schwimmbad, Büros und sogar eine Kantine. Rund 5.000 Menschen arbeiten hier. Auch internationale Musikgrößen wie die Rolling Stones und ABBA sind hier bereits aufgetreten.


Ich habe mir eine Führung gegönnt, die ungefähr 20 Euro kostete. Dabei gab es jede Menge interessante Informationen, allerdings tatsächlich nur wenige Räume zu besichtigen. Schade… wobei die Räume definitiv sehenswert sind.









Das absolute Highlight war für mich die Aussichtsplattform im 30. Stock. Von dort oben hat man einen Wahnsinnsblick über Warschau. Gerade die vielen modernen Hochhäuser vermitteln einem das Gefühl, in einer kleinen Version von New York zu stehen. Besonders spannend: Dieser Eindruck einer modernen Hochhausmetropole ist vor allem in den vergangenen 10 Jahren entstanden.







Mein Tipp: Wer den Kulturpalast besuchen möchte, sollte sich vorher über die Führungen und Eintrittspreise informieren. Die Aussichtsplattform kann auch separat besucht werden und kostet umgerechnet lediglich um die 8 Euro. Wenn man sich für die Geschichte des Gebäudes interessiert, lohnt es sich natürlich beides miteinander zu verbinden.
Das „historische“ Warschau: Die Altstadt.
Die Altstadt von Warschau ist wunderschön. Mit ihren bunten Häuserfassaden und dem weitläufigen Marktplatz wirkt sie wie aus einer anderen Zeit. Von hier aus lassen sich zudem schöne Ausblicke auf die Weichsel und die Umgebung genießen.
Doch was viele nicht wissen: Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Altstädten wie der zum Beispiel von Krakau, ist die Warschauer Altstadt größtenteils rekonstruiert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Warschau schwer zerstört. Besonders nach dem Warschauer Aufstand im Jahr 1944 ließen die deutschen Besatzer große Teile der Stadt dem Erdboden gleichmachen. Von der einstigen Altstadt blieben nur Trümmer und Schutt zurück.
Dass man die Altstadt heute dennoch in ihrer historischen Pracht bewundern kann, ist den Menschen zu verdanken, die Warschau wiederaufbauen wollten. Eine wichtige Grundlage dafür waren unter anderem die detailgetreuen Gemälde des italienischen Malers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto. Im 18. Jahrhundert hatte er zahlreiche Ansichten Warschaus geschaffen, die später als wertvolle Vorlagen für die Rekonstruktion dienten.
Somit ist heute die Warschauer Altstadt weit mehr als eine hübsche Sehenswürdigkeit: Sie ist ein Symbol für Widerstandskraft, Hoffnung und den Willen, Vergangenes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Leider habe ich es nicht geschafft, mir die komplette Altstadt anzuschauen, dennoch sind mir ein paar wenige Bilder gelungen.




Der etwas andere Stadtteil: Praga.
Ein Stadtteil, der mir besonders gut gefallen hat, war Praga. Er liegt auf der anderen Seite der Weichsel und hat sich einen ganz anderen Charakter bewahrt als das moderne Zentrum.

Hier wirkt nicht alles frisch renoviert und perfekt. Stattdessen entdeckt man ältere Gebäude, Straßenkunst, alternative Cafés, hippe Bars und Restaurants. Praga hat Ecken, in denen man noch das ursprüngliche Stadtbild erleben kann.












Früher lebten hier auch viele jüdische Menschen. Die Geschichte des Viertels ist eng mit der wechselvollen Vergangenheit Warschaus verbunden. Heute präsentiert sich Praga vielfältig und international.
Neben vielen interessanten Straßenzügen entdeckte ich zudem noch einen großen Park, einen See und sogar einen schönen Sandstrand an der Weichsel. Außerdem befindet sich hier die bekannte polnische Schokoladenmarke E. Wedel. Natürlich musste ich mir dort ein Eis mit einer Schokoladenwaffel gönnen. Sehr lecker!












Einige Straßen zeigten allerdings auch eine andere Seite: In einer Straße standen zahlreiche Häuser leer, weil Einsturzgefahr bestand. Die gelben Warnschilder mit der Aufschrift „Uwaga“, also „Vorsicht“, wirkten schon ein wenig unheimlich…




Trotzdem hat mir Praga richtig gut gefallen. Wer nicht nur die glänzende, moderne Seite Warschaus kennenlernen möchte, sollte diesen Stadtteil unbedingt einplanen.
Ein Schloss wie aus dem Bilderbuch: Wilanów.
Ein besonderes Erlebnis war mein Besuch bei Agata, meiner Bekannten, die ich schon aus meinen Kindheitstagen kenne. Sie kommt ursprünglich aus dem polnischen Dorf in Pommern, wo auch meine Großeltern gewohnt haben. Seit ihrem Studium lebt sie in Warschau und wohnt inzwischen mit ihrem Partner und ihren beiden Kindern in der nahen Umgebung.
Sie zeigte mir unter anderem das wunderschöne Schloss Wilanów, der mit seiner beeindruckenden Architektur und der weitläufigen Parkanlage begeistert.









Das Schloss ist eng mit König Johann III. Sobieski verbunden, der ab 1674 König von Polen und Großfürst von Litauen war. Heute befindet sich hier das Museum des Schlosses von König Johann III. Sobieski.
Die gesamte Anlage umfasst rund 89 Hektar und ist wirklich sehenswert. Bei bestem Wetter konnten wir den Außenbereich und den Park genießen. Der Eintritt für diesen Bereich lag bei ungefähr 4 Euro (die Innenräume des Schlosses und weitere Ausstellungen kosten extra).












Eine kleine separate Ausstellung (in dem Fall kostenlos) konnten wir uns ebenfalls anschauen.




Wilanów ist somit ein wunderbarer Ort, um etwas Abstand vom Trubel der Großstadt zu gewinnen, aber nicht nur hier…
Die „grüne Oase“ mitten in der Stadt: Der Łazienki-Park.
Unsere nächste Station war der Łazienki-Park, auf deutsch auch „Königlicher Badepark“ genannt.

Mit rund 76 Hektar ist er eine der schönsten Parkanlagen Warschaus. Besonders angenehm: Der Eintritt in den Park ist kostenlos (wer die dortigen Palastmuseen besuchen möchte, muss allerdings Eintritt bezahlen). Das Highlight ist das ehemalige Badehaus, das im 18. Jahrhundert unter König Stanisław August Poniatowski zu seiner Sommerresidenz umgebaut wurde. Das Gebäude liegt wunderschön im Grünen und wirkt fast wie aus einer anderen Zeit.










Auch das Chopin-Denkmal befindet sich in diesem Park. Im Sommer finden hier sonntags kostenlose Konzerte statt, somit eine schöne Möglichkeit, Musik und Natur miteinander zu verbinden. Leider war der Bereich rund um das Denkmal von Chopin bei meinem Besuch gerade eine Baustelle. Deshalb sind meine Fotos nicht ganz so schön geworden, wie ich es mir gewünscht hätte, aber das tut dem Charme des Parks keinen Abbruch.


Frédéric Chopin (auf polnisch: Frederyk Szopen) gilt übrigens als einer der bedeutendsten Komponisten Polens. Obwohl er einen großen Teil seines Lebens in Frankreich verbrachte, blieb seine Verbindung zu Polen (insbesondere zu seiner Geburtsstadt Warschau) bestehen. Seinem Wunsch entsprechend wurde nach seinem Tode sein Herz in Warschau beigesetzt (den Ort kann man bis heute in der Altstadt besuchen).
Der krönende Abschluss: Die Fussgängerbrücke & die Lichtershow.
Zum Abschluss meiner Reise ging es noch zu der Fußgängerbrücke. Von dort hat man einen tollen Blick auf den Fluss und die Skyline Warschaus. Die Brücke ist nicht nur ein Ort, um von einer Seite zur anderen zu gelangen, sondern auch ein beliebter Treffpunkt. Menschen kommen hier zusammen, verweilen, hören Musik und genießen die Atmosphäre.






Anschließend schauten wir uns noch eine Wasser- und Lichtershow an. Diese Veranstaltung ist vor allem in den wärmeren Monaten eine große Attraktion und findet immer von Mai bis Juli an den Wochenenden statt (ebenfalls kostenlos).







Die Kombination aus Wasser, Licht und Musik war wirklich beeindruckend und ein wunderschöner Abschluss für meinen Aufenthalt in Warschau.
Mein Fazit: Warschau lohnt sich!
Warschau hat mich überzeugt. Vor meiner Reise hatte ich natürlich eine Vorstellung von der polnischen Hauptstadt, aber erst vor Ort habe ich gemerkt, wie vielseitig sie ist.
Besonders gut gefallen haben mir: Die moderne Skyline, die unterschiedlichen Stadtviertel und die wunderschönen Parks. Somit ist Warschau definitiv eine Stadt, die modern und geschäftig ist, aber gleichzeitig grün und überraschend ruhig. Sie erzählt von einer bewegten Vergangenheit und zeigt zugleich, wie sehr sich Polen in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.
Wer Polen bisher hauptsächlich mit Krakau, Danzig oder den Ostseebädern verbindet (dazu findest Du unter meinen Beitrag 7 Gründe, warum Polen auf Deine Bucket List gehört mehr), sollte Warschau unbedingt eine Chance geben.
Mehr Informationen und Sehenswürdigkeiten findest Du unter anderem hier: https://www.polen.travel/de/warszawa-warschau/.

Warst Du schon mal in Warschau oder kommt es nun auf Deine Reiseliste? Kommentiere gerne und erzähle mir von Deinen Erfahrungen mit der Hauptstadt Polens.